Aus dem Text:
„Was ist der Mensch – im Verhältnis zum Tier? Evolutionsbiologisch betrachtet sind wir Menschen am Baum des Lebens nicht die Krone, sondern nur ein kleines Äst- chen. Von den Tieren sind wir nicht durch einen großen Graben getrennt – bei Menschen und Tieren handelt es sich nur um zwei (bzw. um viele) Äste desselben Baums. Tiere (und Pflanzen) gehören zu unserer Verwandtschaft. Der Mensch ist nicht nur ein soziales Wesen, sondern ein „biosoziales“ Wesen3. Menschen sind eine (ganz spezielle) Spezies unter anderen (ganz speziellen) Spezies.“ …
Gefühle: Tiere haben Gefühle. Wissenschaftliche Aussagen von Verhaltensbiologen über die Gefühle von Tieren stützen sich zum einen auf die Messung von Stresshormonen, zum anderen auf Beobachtungen des Verhaltens. Als Verhaltensindikatoren für das Unwohlsein von Tieren gelten mangelnde Nahrungsaufnahme, Apathie, Vernachlässigung der Körperpflege, Leerlaufbewegungen, Bewegungsstereotypien. In bedrohlichen Situationen zeigen unterschiedliche Arten von Säugetieren sogar identische Angst-Reaktionen: Herzrasen, tiefere Atmung, Stresshormone, Furchtgesicht. Als Indikatoren des Wohlbefindens können gegenseitiges Lecken, Kraulen und Kuscheln beobachtet werden. Aber auch Laute, die Tiere von sich geben, sind Zeichen ihres Wohlbefindens. Ratten etwa „lachen“ bzw. pfeifen, wenn sie gekitzelt werden, und lassen sich gerne kitzeln. Alle Säugetiere spielen gern, auch viele Vogelarten, sogar auch einige Fische sowie einige wirbellose Tiere, z.B. Feldwespen.
Denken: Alle Tiere lernen, d.h. sie verändern ihr Verhalten aufgrund von eigenen Erfahrungen oder sie lernen von anderen: Bei Makaken wurde beobachtet, wie sie voneinander die „Kultur“ des Kartoffelwaschens lernten. „Kulturell“ bedingt ist auch das Bauen von Sonnendächern bei Orang-Utans oder die Verwendung von Blättern als Handschuhe. Viele Tiere denken, d.h. sie lösen Probleme nicht nur durch Versuch und Irrtum, sondern auch durch Einsicht, Erkenntnis und Plan. So verwenden etwa nicht nur Menschenaffen Werkzeuge, sondern auch Seeotter und Del- fine, auch Raben und Papageien. Manche Tiere haben ein Bewusstsein ihrer selbst, d.h. sie können sich z.B. im Spiegel erkennen: Menschenaffen, Elefanten, Delfine, Elstern….
Verhalten: … Denn die so neu wahrgenommenen Tierpersönlichkeiten mit ihren individuellen Charakteren zeigen dauerhaft unterscheidbares Verhalten – und dies gilt nicht nur für Schimpansen, Elefanten und Delfine, sondern auch für Singvögel, Fische, Reptilien und Insekten. Blattkäfer sind etwa unterschiedlich mutig oder zögerlich, wenn eine neue Umgebung erkundet werden muss….
ABER: Auch unter Tieren gibt es Gewalt, Vergewaltigung, Kindstötung (Löwen) und Kriege (Schimpansen). Der Mensch im Tier – das bedeutet auch: „Die ‚besseren Menschen‘ sind die Tiere nicht!“ …
Nach der neuen ökologischen Lesart derselben Schöpfungsgeschichten der Bibel ist der Mensch das letzte Geschöpf Gottes und damit das abhängigste Geschöpf. Der Mensch ist für sein Leben auf der Erde auf die Existenz der Tiere und Pflanzen, der Luft und des Wassers, des Lichtes und der Tages- und Nachtzeiten, auf die Sonne und den Mond und die Sterne angewiesen und kann ohne diese nicht leben. Es gibt den Menschen nur, weil es alle diese anderen Geschöpfe gibt. Sie alle können ohne den Menschen existieren, aber die Menschen nicht ohne sie. … der Mensch ist zuerst ein Geschöpf in der großen Schöpfungsgemeinschaft und ‚ein Teil der Natur‘. … Nach den biblischen Traditionen hat Gott nicht nur dem Menschen seinen göttlichen Geist eingehaucht, sondern allen seinen Geschöpfen.“
Albert Schweitzer: „Der große Fehler aller bisherigen Ethik ist, daß sie es nur mit dem Verhalten des Menschen zum Menschen zu tun zu haben glaubte. In Wirklichkeit aber handelt es sich darum, wie er sich zur Welt und allem Leben, das in seinen Bereich tritt, verhält. Ethisch ist er nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist.“